Unterricht

Letztes Mal habe ich noch von meiner ersten Lehrerkonferenz geschrieben. Jetzt unterrichte ich schon 3 Wochen. Am Anfang war vor allem die Sprache schwierig, aber das wird immer besser. Die erste Woche war noch eine Art Schonzeit auch für uns Lehrer, weil die Erstklässler eine gemeinsame Einführung machen und ich damit nur eine zweite Klasse hatte. So war die erste Schulstunde halt eine typische Vorstellungs/Erwartungen/Pflichten und ähnliches -Stunde.

Die Schüler wurden im Jahr davor von Johannes Obermüller, meinem Vorgänger, unterrichtet. Dadurch hatten sie bereits Erfahrung mit Volontären und sind auch unseren österreichischen Schulenglisch-Akzent schon etwas gewohnt. Diese Klasse (Abteilung Computer Technology, Stufe 2, kurz CT2) ist echt super, sie sind motiviert und begierig zu lernen. Nur in den späteren Stunden (so nach der Mittagspause) lässt dann schön langsam die Konzentration nach, vor allem wenn Freitag ist. Ich unterrichte sie in Netzwerktechnik, Programmieren und Elektronik.

Die andere Klasse die ich habe ist die CT1. Die unterrichte ich in Programmieren und Elektronik. Programmieren ist von den Fächern die ich habe mein Lieblingsfach, weil ich es auch schon als Schüler gern mochte. Man muss nur manchmal etwas Geduld haben, wenn mir die Grundlagen (wir fangen immerhin bei Null an) schon langweilig werden, sie aber halt wichtig sind und ich sie echt gründlich machen muss.

Das ist mein Stundenplan:

Vor Schulbeginn putzen die Schüler ca. 10 Minuten das Gelände, dann gibts eine Morgenversammlung. Die besteht aus Liedern, Gebet und allfälligen Ankündigungen. Am Freitag ist statt der ersten Stunde Messe und statt der letzten Stunde Sport. Am Freitag müssen die Schüler auch ein Hemd in den Schulfarben anziehen und die Lehrer dasselbe Hemd in blau (siehe Fotos). Normalerweise tragen sie eine Schuluniform. Ausserdem gibt es alle möglichen anderen Aktivitäten für die Schüler wie einen Chor und Sportgrupppen. Wir hatten auch schon einen Buchstabierwettbewerb und es gibt ein HIV- und Drogenaufklärungsprogramm (nach Peer-Prinzip). Alles in allem also ein gutes Programm auch nach der Schule - hauptsächlich für die Schüler die in der Schülerunterkunft hier am Campus leben.

Messe im "Bush-Village"

Am Sonntag gehen zwei der Priester in - jeden Sonntag verschiedene - zwei der umliegenden Dörfer und halten dort eine Messe. Letzte Woche sind wir mit einem mitgefahren. Diese Dörfer sind komplett ursprünglich, und es war eine echte Erfahrung das einmal alles zu sehen. Schon die Hinfahrt - auf einer nicht asphaltierten Straße natürlich - wäre ohne unseren Pickup nicht zu schaffen gewesen. Einmal ging die "Straße" plötzlich ca. 3 Meter so steil hinauf, dass man wahrscheinlich ohne Auto schon klettern müsste. Das Schwierige daran ist, dass man auch keinen Schwung nehmen kann, weil davor die Straße so holprig und relativ schmal ist, dass man irgendwohin schleudern würde.

Als wir dann dort waren (nach ca. 15 Minuten Fahrt) ging Father Edmund, der Priester, zur Kirche um auf die Leute zu warten und alles vorzubereiten und der Rest (wir Volontäre und 3 Ghanaer) ging durch das Dorf um die Leute zur Messe einzuladen. Die Häuser sind ziemlich einfach, es gibt im Dorf keinen elektrischen Strom und die Häuser sind aus Lehm, nur die Kirche und 2 Häuser sind gemauert. Ich habe auch nur ca. 2 Autos und ein Motorrad gesehen, allerdings gibt es ein paar alte Traktoren. Was es in Ghana soweit ich weiß in jedem Dorf bereits gibt ist ein Brunnen. Dafür haben die Regierung und Entwicklungshilfeprogramme schon gesorgt. Die Messe war dann auf Englisch und wurde auf Twi übersetzt. Und die Musik war wie bei allen Messen gospelartig mit Trommeln und Rasseln.

Esel sind kein übliches Fortbewegungsmittel (zumindest soweit ich weiß, ich habe erst 2 oder 3 in Ghana gesehen), man hat ein Auto oder Motorrad auch wenn es noch so alt ist, oder man geht zu Fuß. Oder man fährt Trotro, das sind Kleinbusse die bis zum letzten Platz aufgefüllt werden, oder Taxi. Dabei kann man entweder Dropping nehmen, was bedeutet das man dort abgesetzt wo man hin möchte, also so wie ein Taxi bei uns. Oder, was billiger ist, man nimmt Sharing, das bedeutet, dass das Taxi eine bestimmte Strecke abfährt und man auf der Strecke einsteigt und irgendwo wo man möchte auch wieder aussteigen kann. So fährt man üblicherweise auch Trotro.

Immer wieder müssen wir zum Markt, um Lebensmittel zu kaufen. Dazu gehen wir entweder zur DonBosco-Kreuzung - ca. 1 km - und nehmen von dort ein Taxi nach Sunyani, oder wir bekommen von den Salesianern ein Auto oder ein Motorrad. Nach dem mein Kollege, Christopher, sich seinen österreichischen Führerschein in einen echten ghanaischen Führerschein umschreiben hat lassen und ich den internationalen Führerschein vom ÖAMTC in Österreich bekommen habe, können wir beide jetzt legal in Ghana fahren. Ich bin aber bis jetzt noch nicht in der Stadt gefahren, weil ich mich ja nicht auskenne und der Fahrstil auch ein bisschen chaotischer ist, aber inzwischen gewöhne ich mich schon daran. Ich bin auch schon das erste Mal mit einem Motorrad gefahren, bis jetzt aber nur am Fußballfeld. In Ghana darf man nämlich mit dem Autoführerschein automatisch auch Motorrad fahren.

Mein nächstes Ziel (soweit die Schule es zeitlich zulässt, die kann nämlich durchaus anstrengend werden): Twi lernen! :)

Bis bald
Gerhard

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